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Neuengamme

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Lage Neuengammes in den Hamburger Vierlanden
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Lage Neuengammes in den Hamburger Vierlanden

Neuengamme ist eine Stadtteil im Elbmarsch-Gebiet der Vierlande von Hamburg im Bezirk Bergedorf. Es handelt sich um ein Straßendorf entlang des Südufers der Dove-Elbe, einem nördlichen Nebenarm der Elbe. Die Hauptstraße führt auf der Krone des Flußdeichs durch den Ort. Da der Deich durch vorgelagerte Eindeichungen und Flutsperrtore seine ursprüngliche Funktion verloren hat stellt dies kein Problem dar: der Deich ist keine Verteidigungslinie.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Geschichte Neuengammes ist, wie alle vier Orte der Vierlande, sehr stark mit der Geschichte der Gegend verknüpft.

Gründung im Mittelalter

Kirche St. Johannis
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Kirche St. Johannis

Ab etwa 1100 wurden die späteren Vierlande, einige fruchtbare Elbinseln zwischen Flußarmen der Elbe, die sich hier vielfältig aufteilte, eingedeicht. Dabei wurden von Anfang an vier Kirchenplätze eingeteilt: Curslack, Altengamme, Neuengamme und Kirchwerder. Diese Planungen wurden unterschiedlich schnell umgesetzt; von Neuengamme haben wir zum ersten Mal 1212 eine urkundliche Erwähnung vorliegen; damals noch als Neue Insel bezeichnet. 1261 ist der Ort Neuengamme bereits existent, und 1316 ist das Dorf so groß, dass der erste Pastor in St. Johannis einzieht. Das heutige Kirchenschiff (ohne Turm) ist vermutlich der damalige Kirchenbau.

Da die eingedeichten Gebiete nur mühsam trocken gehalten werden konnten - im Herbst und Winter fast gar nicht - war die Verbindung zwischen den Ortschaften nicht immer sicher gestellt. Das wurde immer häufiger zum Problem, als die Bevölkerungszahlen stiegen und die gemeinsame Deichverteidigung immer wichtiger wurde. Zu diesem Zweck wurden zusätzliche Dämme gebaut, die nicht der Verteidigung gegen Fluten sondern dem Straßenbau dienten: 1482 wurde ein Verbindungsdeich nach Altengamme aufgeschüttet, 1492 entstand ein solcher Verbindungsdeich nach Kirchwerder. Curslack, das auf der anderen Seite der Dove-Elbe direkt gegenüber Neuengammes liegt, konnte nicht auf diese Weise angeschlossen werden; bis zum ersten Brückenschlag wurde der Kontakt mit Fähren aufrecht erhalten.

Brücken, Blumen und Gemüse

Die reichen, fruchtbaren Gebiete der Vierlande, wie die vier Kirchspiele inzwischen genannt werden, hatten gegen einen Hauptgegner zu kämpfen: den nassen Untergrund. Die Schöpfwerke konnten nicht alles Wasser, das sich an den tiefsten Stellen sammelte, zurück in die Elbe transportieren. Erst als ab 1595 die ersten Schöpfwindmühlen die Vierlande erreichten, konnte das Land dauerhaft Ernten einfahren; das nahe, aufstrebende Hamburg war der beste Abnehmer für die Vierländer Produkte.

Reiche Gebiete ohne militärischen Schutz locken Interessenten an. 1620 überquerten die Lüneburger die Elbe und verleibten die Vierlande, damit auch Neuengamme, ihrem Herrschaftsgebiet ein. Erst 1867 werden die Vierlande unter Hamburger Verwaltung gestellt.

Der Bau der ersten festen Brücke nach Curslack, die Blaue Brücke, machte aus Neuengamme und Curslack einen Doppelort, der nur durch die schmale Dove-Elbe getrennt wird. Weitere Brückenschläge (1873 in Neuengamme-Niederwärts und 1899 die Kirchenbrücke) stärkten diese Verbindung weiter; heute ist es schwierig, die Orte beim Durchqueren auseinander zu halten.

Als in der Hamburger Gegend die aus den Niederlanden stammende Mode übernommen wurde, teure Blumen zu züchten und zu zeigen, merkten die geschäftstüchtigen Vierländer, dass mit Blumen mehr Geld zu verdienen ist als mit Blumenkohl. So entstand neben dem Gemüseanbau ab 1675 auch intensive Blumenzucht, die sich bis heute fortsetzt. Erst als um 1880 die Tomatenzucht in den Vierlanden eingeführt wurde kam der ursprüngliche Gemüseanbau wieder zu Ehren.

Nachdem kurz nach 1900 am nördlichen Ortsrand Erdgas entdeckt wurde begann eine geringe Industrialiserung des Ortes. Am 4. November 1910 zündete die erste Flamme aus Neuengammer Erdgas. Bis heute wird das Erdgas gefördert; die zugehörige Firma ist allerdings nicht in Neuengamme, sondern im benachbarten Bergedorf angesiedelt.

Das Konzentrationslager

Ende 1938 wurde in einer Ziegelei das Konzentrationslager Neuengamme eingerichtet, in das Hunderttausend Menschen aus ganz Europa verschleppt wurden. Zwischen 1940 und 1942 wurde zusätzlich die Dove-Elbe schiffbar gemacht, um die Ziegel nach Hamburg transportieren zu können. Dabei wurden etwa 1.600 Häftlinge beschäftigt, die mit Händen und einfachen Schubkarren 213.000 m3 Erde bewegten. Insgesamt fanden rund 55.000 Menschen in KZ und Aussenlagern den Tod. Eines der berühmtesten Opfer ist der Zahnarzt Dr. Fritz Pfeffer, der am 20. Dezember 1944 in Neuengamme starb. Pfeffer war Mitbewohner der Jüdin Anne Frank im Amsterdamer Hinterhaus.

Bei Kriegsende sollten die Spuren verwischt werden, Tausende fanden bei Todesmärschen den Tod. Nur knapp vor Kriegsende ertranken in der Ostsee 7.000 Häftlinge, die auf dem Dampfer Cap Arcona eingesperrt worden waren.

Nach dem Krieg entstand eine Gedenkstätte, aber auch eine Jugendstrafanstalt auf dem KZ-Gelände. Nach jahrelangen Debatten wurde die Strafanstalt im Jahre 2003 aufgelöst. Das Gelände wurde der Gedenkstätte angegliedert.


Kultur und Sehenswürdigkeiten


Bauwerke

Sehenswert sind die Fachwerkhäuser; ebenso die St.Johannis-Kirche, ein mittelalterlicher Backstein-Bau. Als Museum ist das Riekhaus, ein traditioneller Fachwerk-Bauernhof, eingerichtet.


Weblinks


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Neuengamme

http://www.neuengamme.de



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