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Kirchwerder

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Basisdaten
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Bergedorf
Fläche: 50,7km²
Einwohner: 8744(2002)
Bevölkerungsdichte: 1326Einwohner je km²
Vorwahl: 040
Kfz-Kennzeichen: HH

Kirchwerder ist ein Stadtteil von Hamburg.

Kirchwerder ist außerdem eines von vier Kirchspielen der Vierlande.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage Kirchwerders in den Hamburger Vierlanden
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Lage Kirchwerders in den Hamburger Vierlanden

Kirchwerder ist durch seine besonders sandigen Böden ein ausnehmend gutes Gemüseanbaugebiet und dadurch besonders dicht besiedelt. Durch seine Lage direkt an der Elbe ist Kirchwerder allerdings in hohem Maß sturmflutgefährdet.

Kirchwerder ist, wie die anderen Vierländer Kirchspiele, mit 800 Jahren eine der ältesten erhaltenen Kulturlandschaften Deutschlands.

Geschichte

Die erste Besiedlung der Elbinseln, die später das Kirchspiel Kirchwerder bildeten, ist nicht nachweisbar. Sicher ist, dass Kirchwerder zu den frühesten Eindeichungen der Vierlande gehörte, da hier eine Fährverbindung über die Elbe zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und den neuen Gebieten eingerichtet worden war, die auch heute noch existiert: die Zollenspieker Fähre.

Bis 1217 wurde die Region als Remerswerder bezeichnet, erst dann wurde sie Kercewerder genannt. In dieser Zeit wurde durch die damals in dieser Region herrschenden Dänen die planmäßige Eindeichung der Inseln begonnen. Aus dieser Zeit stammt der Durchdeich, der das neue Dorf Kirchenwerder gegen das benachbarte, damals noch nicht eingedeichte Ochsenwerder schützte. Zwischen 1314 und 1344 wurde einer der Elbarme, die Gose Elbe, durch Deiche in ein festes Bett gezwungen. Zwei kleinere Elbinseln. Ohe und Krauel, wurden dabei zu Festland. West-Krauel wurde Teil Kirchwerders, Ohe wurde zwischen Kirchwerder und dem benachbarten Kirchspiel Neuengamme aufgeteilt. Obwohl dies vor mehr als 650 Jahren geschah sind bis heute die Lage und Formen beider Inseln durch Orts- und Straßennamen sowie die Form der Gehöfte deutlich erkennbar.

Der Elbübergang war den Lüneburger Herren, denen das Gebiet unterstand, so wichtig, dass sie eine Befestigung anlegen ließen, die 1296 erstmals als Riepenburg genannt wird und Verwaltungssitz der Vogtei Riepenburg war. Der Name stammte von der herrschenden Familie, den Herren von Ribe. 1420 wurde die Burg Teil des beiderstädtischen Besitzes: Hamburg und Lübeck hatten die Herrschaft gemeinsam den Lüneburgern abgenommen. Durch die Abdämmung und damit der "Zähmung" der Gose- und der Dove Elbe (zweier Elbarme, die die Inseln der Vierlande trennen) wurde die Burg überflüssig. Da sie baufällig war wurde sie 1512 abgerissen. Der Verwaltungssitz wurde ins Bergedorfer Schloß verlegt. Die Reste des Burghügels sind bis heute am Zusammentreffen des Kirchwerder Mühlendamms und des Hauptdeichs zu erkennen.

1620 versuchten die Lüneburger erfolglos, das Gebiet durch einen militärischen Einfall zurück zu gewinnen; erst Napoleon konnte aber auf seinem Feldzug 1806 die Gegend besiegen. Doch auch dadurch wurde die Verwaltungsstruktur nicht geändert. 1868 kaufte Hamburg die Hoheitsrechte von Lübeck, so dass die gemeinsame Verwaltung endete und die Vierlande - und damit Kirchwerder - nur noch zu Hamburg gehörte. 1873 wurde die bis dahin selbständige Enklave Ost-Krauel, die im Besitz der Familie von dem Berghe war, als selbständige Gemeinde zur Landherrenschaft Bergedorf zugeschlagen. Erst 1937 wurden die letzten sechs Enklaven, die bis dahin unter hannöverscher bzw. preussischer Herrschaft gestanden hatten, mit dem Groß-Hamburg-Gesetz ebenfalls nach Bergedorf eingegliedert.


Politik

Soziale Struktur

Kirchwerder ist, wie alle Vierlander Bezirke, eine ländliche Kultur mit alteingesessenen Bewohnern und den dadurch sehr festen Bindungen. Die Zugehörigkeit zum Hamburger Stadtgebiet ist weder optisch noch im Gefüge der Gemeinschaft zu erkennen. Zur Verdeutlichung einige Zahlen:

(Alle Daten vom Jahr 2000, in Klammern die Vergeichszahl für Hamburg)

  • Bevölkerung: 8.737 (1.704.929)
    • davon Unter 18: 20,1% (16,1%)
    • davon 65 und älter: 15,8% (17,0%)
    • Ausländeranteil: 1,6% (16,0%)
    • Einwohner pro km2: 270 (2.258)
  • Verkehrsunfälle: 39 (12.430)
  • Straftaten: 237 (284.272)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Zollenspieker Fähre

Der Zollenspieker war eine wichtige Fährverbindung über die Elbe. Bereits 1252 existierte sie, damals als Yslinge bezeichnet, und ist bis heute in Betrieb. Bis 1806, also bis zur Eroberung der Umgebung durch Napoleon, wurde hier Zoll erhoben (daher auch der Name: "Zollenspieker" bedeutet "Zollspeicher" und wurde an einer auf kirchwerderaner Seite in einer Stelle errichtet, in der die Elbe eine Kurve hat, da so von hier aus die Elbe und das eigene Ufer in alle Richtungen sehr gut einsehbar ist). Beim Überfall der Lüneburger von 1620 ging der alte Speicher verloren; bereits ein Jahr später war er neu errichtet. Eine Schanze schützt ihn bis heute vor weiteren Angriffen vom Fluss her. Etwa ab 1870 entwickelte sich Zollenspieker zur Sehenswürdigkeit der Hamburger; der alte Zollspeicher wurde zur Gaststätte mit einem Tanzsaal in einem neuen Anbau umgestaltet. Bis heute ist das Zollenspieker Fährhaus ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Zollenspieker Fähre liegt am Flußkilometer 598 und kennzeichnet zugleich den südlichsten Punkt der Hansestadt.

Von 1912 bis 1953 hatte Zollenspieker einen Bahnhof, an dem drei Kleinbahnstrecken zusammentrafen: die Vierländer Eisenbahn nach Bergedorf (seit 1912) und die Hamburger Marschbahn nach Düneberg (1921) und Billbrook (1928). Das Bahnhofsgelände wird heute als Festplatz genutzt.

Auf der anderen Elbseite liegt der Ort Hoopte.

St. Severin

Die Kirche Sankt Severin geht in ihren ältesten Teilen auf das 13. Jahrhundert zurück. Allerdings wurde sie, wie alle Vierländer Kirchen, mehrfach ausgebessert und dabei die Feldsteinmauern zum großen Teil mit Backsteinen ersetzt. In den Jahren 1649 und 1650 wurde an der Nordseite ein Vorbau, das Brauthaus, angebaut. Zwischen 1785 und 1791 wurde die Kirche von Grund auf erneuert, um "überflüssige Spuren des grausesten Altertums", wie es damals hieß, zu beseitigen. Dabei wurde nicht nur ein Anbau auf der Südseite angefügt, sondern auch ein Tonnengewölbe an Stelle der vorher vorhandenen Flachdecke eingebaut, neue Fenster eingesetzt und Teile der Einrichtung erneuert.

Der Glockenturm ist, wie bei den Vierländer Kirchen üblich, nicht am Kirchenschiff angebaut, sondern steht etwas abseits und nach Süden versetzt. Der Holzbau wurde 1604 zum ersten Mal erwähnt. 1771 wurde die heutige Turmspitze aufgesetzt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Landwirtschaft

Da das Kirchspiel Kirchwerder direkt am Hauptstrom der Elbe liegt ist es in besonderem Maße durch Sturmfluten getroffen worden. Immer wieder führten Deichbrüche zu weiten Überflutungen und dadurch zur Versandung des Bodens. Zudem ging durch die Entstehung von Bracks (tiefen Ausspülungen, die durch Verwirbelung hinter den Deichbrüchen entstanden) bei diesen Ereignissen immer wieder Land verloren. Die Bauern Kirchwerders, die traditionell in erster Linie Getreide anbauten, das auf sandigen Böden nicht so gut wächst, hatten dadurch niedrigere Einkünfte als die Bauern der angrenzenden Bereiche der Vierlande.

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts änderten die Kirchwerder Bauern deshalb ihre Feldfrüchte und begannen, das wesentlich besser gedeihende Gemüse anzubauen. Da, im Gegensatz zum Bardowiker Gemüse, das bisher für die Hamburger Versorgung über die Elbe geholt wurde, kein Zoll zu zahlen war und zudem der Anfahrweg deutlich kürzer wurde konnten die Kirchwerder Bauern hohe Gewinne einkassieren. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Preise für die Bauernhöfe deutlich gestiegen, und in den Vierlanden gab es nirgendwo weniger Konkurse von Kätnern, den ärmsten der Bauern, als in Kirchwerder. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Kirchwerder Dörfer Sande (man beachte den Namen!) und Warwisch die am dichtesten besiedelten Siedlungen der Region.

Da die Bauern der anderen Vierländer Kirchspiele ebenfalls über sandige Böden verfügten, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in Kirchwerder, wurde auch hier bald der Getreideanbau zugunsten der Gemüsezucht aufgegeben. Die Vierlande wurden zur Gemüsekammer Hamburgs. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Blumenanbau in den Vierlande aufkam wurde aufgrund der sehr guten Gemüseböden Kirchwerder davon am wenigsten berührt. Bis heute sind hier nur relativ wenige Gewächshäuser anzutreffen.


Literatur

  • Achim Sperber, Vier- und Marschlande, Land hinterm Deich, Hans Christians Verlag, Hamburg 1981, ISBN 3-7672-0734-6
  • Kulturbehörde/Denkmalschutzamt Hamburg (Herausgeber), Vier- und Marschlande, Hans Christians Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-7672-0969-1
  • Hamburger Sparkasse (Herausgeber), Hamburg von Altona bis Zollenspieker, Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-11333-8

Weblinks

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Kirchwerder Elbdeich
Hamburg Kirchwerder im Bild.
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